W wie Wunder, Walking, Wehwehchen, Wartezeit, Wannenbaden – und Wattn

Für mich ist es ein Wunder der Medizintechnik, für das ich wirklich sehr dankbar bin: das künstliche Hüftgelenk. Wenn ich 100 Jahre früher gelebt hätte, dann würde ich jetzt schon mit knapp 55 Jahren herumhumpeln wie eine alte Frau. So aber kann ich mich wieder problemlos bewegen. Momentan besteht das Bewegen jeden Morgen in einem kräftigen Bergauf-Walk die Zufahrtstraße zu unserem Haus in den italienischen Marken hoch (japs, gut für die Kondition), im unermüdlichen Unkraut-Rausrupfen (inklusive Wurzel – das gibt Armmuskeln!) und im treppauf-treppab-Laufen, wenn wir beim Grillen draußen feststellen, dass doch noch ein Glas, ein Gewürz oder die Tomatenschüssel fehlen. Und dann gibt`s natürlich den Strand-Walk mit Gelato in der Hand. Gerade wird an der Adria alles für den bevorstehenden Ferienbeginn vorbereitet: der Strand wird gesäubert und mit dem Bagger planiert, Areale werden fein säuberlich und nicht ohne entsprechende „strategische Diskussionen“ vor den Strandlokalen abgesteckt, Löcher für die Sonnenschirme in den Sand gebohrt, Liegen aufgestellt. Der Sommer kann kommen! Ein Sommer ohne Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Juchhu!

Unsere italienische Nachbarin braucht auch gerade Krücken: künstliche Hüfte mit 77 und keine dreiwöchige Reha wie bei uns!

Unsere italienische Nachbarin braucht auch gerade Krücken: künstliche Hüfte mit 77 und keine dreiwöchige Reha wie bei uns!

Genau ein Jahr nach der ersten OP (rechte Hüfte) und sieben Monate nach der zweiten OP (linke Hüfte) war ich kurz vor unserer Abfahrt nach Italien wieder einmal bei meinem Operateur Dr. Jürgen Radke in München und habe ihn wegen zwei Wehwehchen befragt: Rechts habe ich ab und an ein Kribbeln entlang der Oberschenkelaußenseite als ob eine Ameisenstraße oder eine elektrische Leitung an meiner Narbe entlang gehen würde. Er machte ein bedenkliches Gesicht, weil das wohl sehr selten vorkommt – und auch bei mir glücklicherweise immer seltener wird. Seine Erklärung: Es könnten Nerven sein, die von der Lendenwirbelsäule ausgehen und immer noch „irritiert“ sind. Das könne bis zu zwei Jahren dauern. Nun denn, wenn`s nichts Schlimmeres ist.

Das zweite Wehwehchen betrifft ein Schnackeln, das ich in der linken Seite spüre, es sogar bei bestimmten Bewegungen ertasten kann. Seine Erklärung: Die Sehne, die über den großen Rollhügel (Trochanter Major) führt, musste bei der OP zur Seite geschoben und eingeritzt werden. Wenn sie nun vernarbt, könnte genau die Narbe über dem Knochen „scheuern“. Nichts Schlimmes, aber irritiert manchmal. Das Gelenk ist`s jedenfalls auf keinen Fall. Nun denn, leben wir halt mit diesen Zipperlein. Sie sind ja geradezu ein Nichts im Vergleich zu meinen Beschwerden vor den OP`s.

Inzwischen habe ich von Golfer-Kollegen gehört, dass die Wartezeit in der Garmischer endogap-Klinik für eine Hüft-OP bis zu 120 Tage beträgt! Allen Münchnern, die diesen Blog lesen, kann ich auch drei Adressen in München empfehlen: Langjährige Erfahrung mit Hüft-Endoprothesen hat außer meinem Operateur, der am Rotkreuzklinikum operiert, die OCM-Klinik (Dr. Dienst und Dr. Hube) und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder (Prof. Dr. Plötz, der auch beide Hüften auf einmal operiert!). Für unser Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ sammeln Peter Herrchen (endoprothese.wordpress.com) und ich nämlich gerade mutmachende Erfahrungsberichte von Hüft-Patienten – und da kommen diese Kliniken gut weg.

Zum Buchstaben W habe ich mir auch das Thema Wannenbaden notiert. Es war eine Wohltat, dass ich in meiner ersten Reha in Bad Heilbrunn mit einem speziellen „Behinderten-Lift“ in der Bäder-Abteilung in die Wanne gehoben wurde und dort 15 Minuten in wohligen Düften entspannen konnte. Denn mit einer frisch operierten Hüfte ist das Steigen über den Wannenrand zunächst einmal tabu. Unfall- und Rutschgefahr. Menschen, die zu Hause nur eine Dusche in der Badewanne haben, können sich ein Brett über die Badewanne montieren lassen, auf das man sich setzen kann. All diese praktischen Hilfsmittel und Tipps erfährt man in der Reha. Aufgrund der meist längeren Planungsphase bis zur OP kann man sich das natürlich auch schon vorher alles besorgen.

Christine, Hubert und Hans (v. l. n. r.) beim Wattn in Bad Heilbrunn. Man beachte rechts unser Krücken-Depot.

Christine, Hubert und Hans (v. l. n. r.) beim Wattn in Bad Heilbrunn. Man beachte rechts unser Krücken-Depot.

Noch etwas habe ich in Bad Heilbrunn gelernt: Wattn, ein urbayerisches Kartenspiel, das unsere Abende ungeheuer kurzweilig und lustig gestaltet hat. Meine Mitpatienten Hubert, Hans und Christine haben mir das als Preußin beigebracht – und sich köstlich über meine Grimassen (obligatorisch!) und Fehler (nicht-obligatorisch, aber erheiternd) amüsiert. Danke Euch noch im nachhinein dafür! Inzwischen bin ich wieder zu Bridge und Doppelkopf zurückgekehrt. Ich denke aber heute noch gern an die drei „Kritischen“ Maxi, Belli und Soacher. Denn schließlich hat diese Wattn-Runde auch dazu geführt, dass Hubert (eine neue Hüfte rechts) unser Buch gestaltet. Analog zu Peter Herrchens Triathlon-Projekt der „FiveArtHips“ sind wir also das „FiveHipsBook“-Projekt!

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