TEP-Gipfeltreffen in China, McMinn-Prothese und Haltbarkeit von TEPs

Wir sind gerade zwei Wochen in China gewesen – und  in Hongkong habe ich die erste Hüft-Patientin und Buch-Leserin von „Mut zur neuen Hüfte!“ getroffen, die ihre OP beruflich bedingt nicht in ihrer Heimat Stuttgart, sondern in Hongkong hat machen lassen. Der Termin hätte nicht besser gewählt werden können: Cory hatte gerade von ihrem Operateur die Nachricht erhalten, dass sie nach 12 Wochen endlich ihre Gehhilfen weglassen kann. 12 Wochen? Ja, sie hat beide Hüften auf einmal operieren lassen und eine McMinn-Prothese (oder Birmingham Hip) gewählt, die eine deutlich längere Schonphase erfordert. Vorteile: Da es sich um keine Voll-Endoprothese, sondern um einen Hüftoberflächenersatz handelt, ist diese Operation deutlich Knochen sparender. Der geschädigte Gelenkkopf wird lediglich überkront – wie beim Überkronen eines Zahnes.

Der letzte Tag mit Krücken: Cory mit Buch-Autorin Heidi Rauch auf dem Victoria Peak in Hongkong

Der letzte Tag mit Krücken: Cory mit Buch-Autorin Heidi Rauch auf dem Victoria Peak in Hongkong

In Deutschland wird diese Hüftkappe immer noch sehr selten eingesetzt, weil nach Medienberichten über eine Hersteller-Firma das Image starken Schaden genommen hat. Aber es gibt in Europa rund 10 Oberflächenersatz-Modelle von verschiedenen Herstellern. Das von Derek McMinn als „Birmingham Hip Resurfacing“ (BHR) entwickelte Oberflächenersatz-Modell ist seit 1997 unverändert verfügbar und kann auf über 150.000 Implantationen sowie zahlreiche sehr gute klinische Untersuchungen verweisen. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zum knochensparenden Hüft-OP-Konzept wurden bereits in den 50er Jahren unternommen, damals war aber die Materialentwicklung noch nicht so weit. Tatsächlich gibt es aber sehr positive Langzeitverläufe mit bis zu 25 Jahren Haltbarkeit – und das bedeutet ja, dass sogar „älteres“ Material aus den 80er/90er Jahren verwendet wurde, das noch nicht unseren heutigen Standards entspricht. Somit kann Corys Operateur wohl sehr selbstbewusst behaupten, dass ihre 2015 eingesetzten Prothesen ein Leben lang halten werden (sie ist 52 Jahre alt).

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass ihr Operateur ihr die Wahl gelassen hat zwischen einer normalen TEP und der McMinn-Prothese. Er operiert beide gleich oft, hat aber deutlich gesagt, was wir auch in unseren Büchern schreiben: Es kommt darauf an, wie viele Hüften ein Operateur im Jahr operiert. Wenn er also nur TEPs einsetzt und ein- oder zweimal im Jahr auch eine McMinn, dann heißt es: Finger weg! Wenn aber ein Operateur auf eine Vielzahl von OPs mit McMinn-Oberflächenprothesen verweisen kann, dann ist das eine vertrauenswürdige Basis. Wenn er dann noch wie Corys Operateur in seiner Info-Broschüre (!) zugibt, dass er einst den und den Fehler gemacht hat, aus dem er gelernt hat und ihn mit dieser oder jener Methode abgestellt hat – tja, dann kann man nur den Hut ziehen vor so viel ärztlicher Ehrlichkeit.

Haltbarkeit bei sportlicher Belastung

In der geschlossenen TEP-Fit-Facebook-Gruppe meines Mitautors Peter Herrchen kam aufgrund eines TV-Beitrags vor kurzem auch die Frage nach der Haltbarkeit auf, vor allem bei größerer sportlicher Belastung, die ja heute eher die Regel ist als früher. Die Operierten werden jünger, sind anspruchsvoller und wollen weiterhin aktiv sein. Zum Thema angeblich unzureichender Belastungstests künstlicher Gelenke hat unser zuverlässiger Facharzt, Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap-Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen, Folgendes geantwortet:

„Es ist völlig korrekt, dass die derzeitigen offiziellen Prüfnormen unzureichend sind und den tatsächlichen Belastungsgrößen nicht entsprechen. Daher führen alle renommierten Hersteller wesentlich umfangreichere Tests und Belastungen durch, die weit über die bisherigen Prüfungen hinausgehen. Das tun sie allein schon aus Selbstschutz, um sich vor eventuellen späteren Regressforderungen möglichst zu schützen, die heute zum Teil riesige Ausmaße annehmen können, besonders wenn die USA involviert sind. Trotzdem kommt es immer wieder einmal zu Problemen und Versagern. Allerdings sind diese viel seltener als früher geworden und stellen die absolute Ausnahme dar.

Heute wird von den renommierten Herstellern sehr aktiv an der Weiterentwicklung der Testnormen gearbeitet, sowohl was die Forschung auf diesem Gebiet angeht, als auch die Testmaschinen, die ja nicht den Laborzustand sondern möglichst die Bedingungen im Körper unter natürlichen Belastungen und in den verschiedensten Situationen simulieren sollen. Und das über viele, viele Jahre. Da ist man wirklich schon sehr weit und bei den `guten` Firmen intensiv bemüht. Ich habe gerade wieder ein Testlabor bei der Firma Aesculap in Tuttlingen besucht, sowie Testeinrichtungen der Firmen DePuy und Zimmer in Leeds und Winterthur: Da wird intensiv und ernsthaft geforscht und entwickelt, um die Implantate so haltbar wie möglich zu machen.

Ein zukünftiger Implantatträger sollte seinen Operateur fragen, wie lange es die geplante Prothese schon gibt, wie die Langzeiterfahrungen sind und, wenn es eine relative Neuentwicklung ist, ob sie sich auf bereits bewährte Prinzipien stützt und nur geringfügige Veränderungen zum bewährten Vormodell aufweist. Außerdem sollten die Firmen erfragt werden, die die Implantate herstellen. Diese sollten ja möglichst viele Jahre halten und wenn nach 20 Jahren ein eventueller Austausch ansteht, sollte es die Herstellerfirma auch noch geben …. das ist zwar nicht immer garantiert, aber die „Großen“ gibt’s dann hoffentlich wohl noch eher. So verfahren zumindest wir in der endogap bei der Implantatauswahl.

Bei aller gerechtfertigten Vorsicht nicht vergessen: Die Ergebnisse der Hüft- und Knie Endoprothetik sind wirklich hervorragend und die weitaus meisten Patienten haben mit ihren Implantaten viele Jahre überhaupt keine Probleme.“

Ab Mitte Juni absolviert Cory ihre Reha in der Medical Park Klinik St. Hubertus in Bad Wiessee am Tegernsee. Ehrensache, dass Peter Herrchen und ich sie besuchen werden. Wir sind gespannt, wie fit sie bis dahin ist. Da sie von ihrem Wohnort Shenzen zu ihrer in Hongkong praktizierenden Physiotherapeutin stets inklusive Grenzübergang mindestens eine Stunde unterwegs ist, hat sie entdeckt, dass man sich Übungen prima via Skype zeigen lassen kann. Eine Idee, die übrigens auch Ernährungsberaterin Barbara Konitzer aus unserem Mutmach-Ratgeber „Mut zum neuen Knie!“ praktiziert. Wer also mit ihrer Hilfe seine Ernährung umstellen möchte, vor oder nach einer OP, dem sei ihre Website empfohlen. Da geht es weniger um die Bikini- oder Badehosen-Figur als vielmehr um die innere Einstellung zu gesunder Ernährung, um Gewichtsmanagement und bioaktive Ernährung. Ganz nebenbei gibt es wunderbare Rezepte und zuletzt Fotos von einem Wettbewerb zum Food Revolution Day 2015 zu sehen. Da war ich in der Jury und hatte großen Spaß an der Auswahl der schönsten Fotos. Das hat mich gleich dazu animiert, selbst ein sommerliches Food-Foto zu machen – von unserem neuen Limonen-Olivenöl und dem 30-prozentigen Zitronenlikör Limoncello aus eigener Herstellung. Motto: Die Sonne Italiens nach Hause holen!

Zitronige Köstlichkeiten Limonolio und Limoncello auf blühender Wiese. Mehr dazu auf www.oliopiceno.de

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