Ein gesundes und bewegungsfreudiges Jahr 2016 – ohne Schmerzen!

Zum Jahreswechsel hier ein paar Lesefrüchte aus Magazinen & Co., die für Hüft- und Knie-TEP-Träger gleichermaßen interessant sein dürften.

Schmerzmittel hat das Öko-Test-Magazin in der letzten Ausgabe des gerade abgelaufenen Jahres 2015 getestet. Und was steht da im ersten Absatz auf S. 60 unter „Kompakt“ zum weit verbreiteten Schmerzmittel Paracetamol: „In der Behandlung von Rückenschmerzen wirkt Paracetamol nicht besser als ein Scheinmedikament, bei Patienten mit Schmerzen aufgrund verschlissener Knie- und Hüftgelenke zeigt es nur einen geringen, klinisch kaum bedeutsamen Effekt. Daher sind – nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt – andere Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen vorzuziehen.“

Auch ich habe in meiner akuten Vor-OP-Phase hin und wieder Ibuprofen eingeworfen – vor allem vor geplanten Belastungen wie längeren Spaziergängen oder in meinem Fall gar einer Golfrunde, die ich aber meist im Haltungsstil einer alten Oma spätestens nach neun Löchern abgebrochen habe. Diese Zeit liegt nun glücklicherweise schon vier Jahre hinter mir. Die postoperativen Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 waren: schmerzfrei, voller Bewegungs- und Lebensfreude – und großer Dankbarkeit für den Fortschritt der Medizintechnik.

Möge die TEP lange halten!

Aus dem Dezember-Heft der „Arthrose-Info“, dem Offiziellen Organ der Deutschen Arthrose-Hilfe e. V. (Nr. 108), gebe ich hier 10 Tipps bzw. Erkenntnisse zur langen Haltbarkeit der künstlichen Hüfte weiter – versehen mit einigen persönlichen Kommentaren.

1. Je jünger – desto höher das Lockerungs-Risiko

Leider lockern sich wohl die neuen Gelenke bei jüngeren Patienten häufig früher als bei älteren. „Ob dies an einer erhöhten Aktivität der jungen Menschen oder am Knochenstoffwechsel liegt, ist bisher noch nicht sicher bekannt.“ Leider schreibt hier auch niemand, was unter „jung“ zu verstehen ist. Das ist ja bekanntlich alles relativ…

2. Vorsicht, wenn das „neueste Modell“ angeboten wird

„Neu“ sei in diesem Fall eher ein Risiko, weil noch nicht über die Jahre getestet werden konnte, ob diese neuen Modelle tatsächlich besser sind. „Sicherer ist es, wenn man auf bewährte Modelle setzt, zu denen die Klinik zuverlässige Angaben zur Haltbarkeit machen kann.“

3. Vorsicht Tierbiss

Am künstlichen Gelenk können sich bekanntlich Bakterien ansammeln. „Österreichische Ärzte haben nun von einem Fall berichtet, bei dem es drei Monate (!) nach einem Katzenbiss zu einer schweren Infektion am künstlichen Gelenk gekommen ist. Das Gelenk musste ausgetauscht werden.“ Nach jeder Bissverletzung deshalb rasch den behandelnden Arzt aufsuchen!

4. Richtiges Verhalten in der Frühphase

Die Frühphase nach der OP ist die wichtige Einheilungsphase, die wesentlich zur langen Haltbarkeit des neuen Gelenks beiträgt. „Von einigen Experten wird empfohlen, beide Unterarmstützen am besten während der ersten vier bis sechs Wochen zu benutzen, bis alles im Inneren gefestigt und die inneren Wunden verheilt sind.“ Auch ich hatte so einen vorsichtigen Operateur und habe mich keineswegs von meinen ach so mobilen Mitpatienten anstacheln lassen, doch schon früher ohne Krücken zu gehen. Warum auch? Lieber ein paar Wochen länger vorsichtig und achtsam sein, um noch einige Jahre länger etwas von der TEP zu haben.

5. Muskeln kräftigen

Starke Muskeln führen das Gelenk sicher und schützen es vor Überlastung. Wichtige Übungen zur Kräftigung der Hüftmuskulatur lernt man ja bereits in der Reha – und sollte sie auch zu Hause (mehrmals) täglich durchführen. Dabei geht es zum einen um die volle Streckung und zum anderen um die Stärkung der seitlich ansetzenden Muskulatur.

6. Stürze vermeiden

Um die Prothese herum brechen die Knochen leider leichter. Die Arthrose-Info empfiehlt zur Sturzvermeidung sogar, dass man weder treppauf noch treppab etwas in beiden Händen tragen sollte. Vielmehr sollte man sich am Geländer festhalten. Das halte ich nun gerade angesichts meiner eigenen Stürze (ausgerutscht auf nassem Boden) für übertrieben. Aber natürlich gilt auch hier der alte Spruch: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“

Armbruch mit 92! Meine Tante, Mitte, hat tatsächlich in beiden Händen Einkaufstüten gehabt anstatt sich am Geländer festzuhalten!

Armbruch mit 92! Meine Tante, Mitte, hat tatsächlich in beiden Händen Einkaufstüten gehabt anstatt sich am Geländer festzuhalten!

7. Osteoporose vermeiden

Starke und kräftige Knochen halten das künstliche Gelenk. Knochen-Abbau, also Osteoporose, sollten daher sowohl Frauen als auch Männer vermeiden. Tipp: Jährlich den Vitamin-D-Spiegel im Blut testen lassen. Die Kosten für diesen Test übernehme sogar die Krankenkasse, wenn man ihr zuvor die Begründung mitteilt, weiß die Arthrose-Gesellschaft. Außerdem empfohlen: kalziumreiche Ernährung mit u. a. Milchprodukten.

8. Übergewicht?

Gerade zu Beginn eines neuen Jahres sind die guten Vorsätze ja da. Ganz oben auf der Liste: ein paar Kilo abspecken. Das kann nie schaden, weder vor noch nach der OP, um das neue Gelenk vor zusätzlicher Belastung zu schützen. Allerdings gibt es viele Studien, die keine Korrelation zwischen Übergewicht und schnellerer Abnutzung erkennen können, und auch die interviewten Operateure in unseren Mutmach-Ratgebern „Mut zur neuen Hüfte!“ und „Mut zum neuen Knie!“ sind der Meinung: Übergewicht macht dem Gelenk weniger zu schaffen als man als Laie so denken mag.

9. Unterschiede in der Beinlänge

Nach der Hüft-OP sind die Beine manchmal unterschiedlich lang. Das sollte natürlich kein Dauerzustand sein, weil das Hinken zu einer vermehrten Belastung der TEP führt. Hier empfiehlt die Arthrose-Info doch tatsächlich Einlagen oder Schuhsohlenerhöhungen! Ich dagegen empfehle aus eigener Erfahrung: abwarten und Dehnübungen machen! Grund: Die Muskeln, etwa in der Leistengegend, haben sich vor der OP derart verkürzt, dass sie einige Monate brauchen, bis sie sich wieder entkrampfen, entspannen und buchstäblich an den neuen Zustand gewöhnen. Mit Faszien-Training, Rolfing oder Blackroll, sollte man den Prozess unterstützen. Erst wenn, sagen wir nach einem Jahr, immer noch eine Beinlängendifferenz festgestellt wird, sollte man über Hilfsmittel nachdenken.

10. Kein Joggen, kein Rennen, kein Springen

„Alle Höchstbelastung gilt es klug zu vermeiden.“, schreibt die Arthrose-Info und meint damit u. a. auch das Rennen zum Bus. Wie die Übervorsicht beim Treppensteigen halte ich auch dies für überzogen. Richtig ist die Warnung vor sogenannten Kontaktsportarten, die zudem häufige unkontrollierte Sprints, Stop and Go quasi, erfordern, und Stürze mit sich bringen, also Fußball, Basketball, Badminton oder auch Kampfsportarten wie Judo und Karate. Die Warnung vor dem Joggen wird mein täglich joggender Mitautor Peter Herrchen weit von sich weisen und für die richtigen Schuhe und die richtige Technik plädieren.

In unseren Büchern jedenfalls kommen viele sportlich aktive Menschen zu Wort, die glücklich sind, endlich wieder joggen zu können. Für dieses Bewegungsglück nehmen sie ganz bewusst möglicherweise eine verkürzte Haltbarkeitsdauer ihres Gelenks in Kauf. Aber inzwischen gibt es auch längst Studien, die keine Korrelation zwischen Jogging und verkürzter TEP-Lebensdauer sehen. Also gilt auch hier: Tun Sie, was Ihnen Freude macht, ohne es gleich zu übertreiben! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes, gesundes und bewegungsfreudiges Jahr 2016!

Vor Weihnachten war ich am Katschberg zwei Tage zum Skifahren: auf Kunstschnee und absolut leeren, bestens präparierten Pisten - mit viel Grün rundherum!

Vor Weihnachten war ich am Katschberg zwei Tage zum Skifahren: auf Kunstschnee und absolut leeren, bestens präparierten Pisten – mit viel Grün rundherum!

PS: Lese-Tipp ohne TEP: „Drei auf Reisen“ von David Nicholls, dem Autor des auch verfilmten Bestsellers „Zwei an einem Tag“. Ein britisches Ehepaar Anfang 50 begibt sich mit ihrem 17-jährigen Sohn auf die sogenannte „Grand Tour“, eine Europa-Reise zu den wichtigsten Kulturstätten und Museen, etwa in Amsterdam, München, Venedig, Florenz, Barcelona und Madrid. Allerdings hängt über dieser Reise das Damoklesschwert der angekündigten Trennung. SIE nämlich wünscht sich nach dem Auszug des Sohnes ein anderes Leben, während ER sich ein Leben ohne SIE nicht vorstellen kann. Geschildert wird diese Reise aus der ironisch-selbstkritischen Sicht des Mannes, eines trockenen Wissenschaftlers, der immer wieder in die angeblich so glückliche Vergangenheit mit seiner lebenslustigen Frau zurückblendet.  Dass sich in der Retrospektive schon damals die ersten Risse gezeigt haben, merkt nicht nur der Leser. Ein sehr erhellender, durchaus komischer, mitreißend geschriebener Roman, der bis zum Schluss offen lässt, ob die beiden ihren Neuanfang gemeinsam oder doch lieber getrennt voneinander schaffen.

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